Möbel Olfe

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Möbel Olfe
Reichenberger Str. 177
10999 Berlin
Deutschland
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Beschreibung

Aus der Berliner Zeitung:

Der ewige Geheimtipp

Die Bar "Möbel Olfe" liegt mitten im Zentrum Kreuzberg am Kottbusser Tor - und hat das Nachtleben verändert



Marcus Weingärtner



Plötzlich waren sie da. Niemand wusste, warum. Sie kamen immer wieder, wochenlang. "Norweger", sagt Richard Stein, Mitinhaber der Kreuzberger Bar "Möbel Olfe". Stein kam es vor, als sei seine Bar auf einmal die hippste außerhalb Skandinaviens. "So viele Norweger habe ich auf einen Schlag noch nie in Berlin gesehen. Wir konnten uns nicht erklären, woher sie die Olfe kannten. Bis uns jemand erzählte, dass in einem Magazin des Billigfliegers Easy Jet ein Artikel über uns gestanden hätte", sagt Stein und lacht. Auch in der New Yorker Village Voice sei die Bar schon beschrieben worden, sagt er. Die Amerikaner würden die Möbel Olfe für einen ewigen Geheimtipp halten. "Eben typisch Berlin: kreativ und an einem etwas zwiespältigen Ort."



Womit Richard Stein den Nagel auf den Kopf trifft, denn Berliner neigen dazu, sich seltsame Orte zu eigen zu machen, um dort ihr Nachtleben zu verbringen. Die Bar "Möbel Olfe" liegt an der Rückseite des sogenannten Flachbaus West, einem Teil vom Zentrum Kreuzberg, dem Neubauriegel am Kottbusser Tor. Die Rückseite der Bar weist auf die Dresdener Straße, die von der Nachbarschaft zur Oranienstraße mit ihren Bars und Kneipen lebt. Dort, wo die Dresdener Straße auf das Zentrum Kreuzberg trifft, endete das Kneipen- und Bar-Leben früher. Touristen irren oft hier umher und sehen nur die riesige Leuchtreklame "Möbel Olfe", die namensgebend für die Bar war. "Wir mussten den Leuten zu Beginn irgendeinen Wegweiser nennen, und die Reklame ist kaum zu übersehen. Das Möbelgeschäft dazu auf der Dresdener gibt es schon seit Jahren nicht mehr", sagt Richard Stein.



Die Olfe, wie Stein die Bar nennt, hat gerade geöffnet, Stein trinkt Bionade. Draußen läuft langsam eine dicke, verschleierte Frau vorbei. Jugendliche hängen auf der Straße herum. Ärger mit den Nachbarn habe es nie gegeben, sagt Stein. Im Olfe ist es leer, aus den Boxen scheppert monoton Throbbing Gristles "Hot on the heels of love". Fünf Stunden später, gegen 23 Uhr, platzt die Bar aus allen Nähten, es ist gefühlte 50 Grad warm. Über dem Tresen bewacht ein Skelett mit Rinderschädel das kulinarische Angebot: Fünf-Minuten-Terrine und Snickers. Ein Schild bittet die Gäste, auf ihr Handgepäck zu achten. Aber selbst wenn ein Gast sein Handgepäck loslassen würde, könnte es nicht zu Boden fallen. Die Besucherdichte ist hoch am Donnerstagabend, dem beliebtesten Tag in der Bar. Zur Toilette im Blockhausstil braucht man jetzt gut zehn Minuten, vorbei an Spaniern, Norwegern, Berlinern aller möglichen sexuellen und sonstigen Ausrichtung. Von der Decke baumeln zwei Beine aus Styropor. "Das ist Marias Himmelfahrt. Die ist stecken geblieben. Der Rock ist gerade in der Wäsche", sagt Stein. Marias Beine enden in wenig eleganten Pumps.



Es ist laut und riecht nach Schweiß, Bier und zu vielen Zigaretten, die meisten Gäste trinken Tannenzäpfle-Bier und spielen mit der goldenen Alufolie, die sich von der Flasche lösen lässt. Ein schwarzer Mann steht auf dem Tresen und singt, die Bedienung notiert Bestellungen auf Bierdeckeln. Der Abend im "Möbel Olfe" fühlt sich wunderbar nach Metropole an und nach Insiderwissen.



Dabei sind diese Zeiten längst vorbei. Die Bar ist stadtbekannt. Aber irgendwie bringt sie das Kunststück fertig, immer noch wie ein Geheimtipp zu wirken. "Wir hatten nicht damit gerechnet, schließlich wollten wir ja hier ursprünglich das Kaufhaus Kreuzberg aufziehen. Der Raum diente nur zu Infoveranstaltungen", erzählt Stein. Stein betreibt die Bar zusammen mit Wolf Maack und kann auf eine Nachtlebenkarriere zurückblicken. Er veranstaltete Shows im SO36 und dem in der schwulen Szene legendären Café Anal. 2002 wollte er dann das Kaufhaus Kreuzberg gründen, ein Einkaufszentrum der anderen Art, das jungen Kreativen Verkaufsflächen bieten und das Kottbusser Tor beleben sollte. Schließlich stand hier viel Gewerbefläche leer. Doch aus den Plänen wurde nichts. Oder fast nichts: In dem Raum für Infoveranstaltungen machte Richard Stein die Bar auf, die jetzt nach dem alten Möbelladen heißt. "Eine Mutter aus der Kita hier um die Ecke bot uns an, die Bar auszupendeln. Einen Monat später kam sie wieder und erklärte, dass wir eine alte Hauptenergieader zwischen Kotti und Dresdener Straße wiederbelebt hätten", erzählt Stein und zwirbelt sich dabei seinen Piratenbart.



Irgend etwas muss dran sein: Die Bar ist immer voll, und in den letzten beiden Jahren haben rund um den Kotti eine Reihe Bars eröffnet, die sich an dasselbe Publikum wenden wie die Olfe. Aber keine hat eine riesige Leuchtreklame, die weit in den Kreuzberger Abendhimmel hinausstrahlt.



Berliner Zeitung, 18.10.2007

 

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